Home > Umstände

Männliche Ursachen

Sterilität – männliche Ursachen

Störungen der Spermienproduktion

Die für den Kinderwunsch entscheidenden Parameter eines Spermiogramms sind: die Zahl, die Beweglichkeit und das Aussehen der Spermien. Oftmals sind alle drei Parameter eingeschränkt. Bei einer Störung der Spermienproduktion im Hoden steht meistens eine Verminderung der Zahl der Samenfäden im Vordergrund. Einen solchen Befund nennt man "Oligozoospermie". Weitere Begriffe können sein: Asthenospermie, Teratozoospermie, etc., die anhand von Zahl und Beweglichkeit der Spermien festgelegt sind. Meist lässt sich bei einer ausgeprägten Störung der Spermienproduktion keine eindeutige Ursachen finden, die diese Störung erklären könnte. Daraus ergibt sich meist auch zwangsläufig die Tatsache, dass eine gezielte Behandlung zur Verbesserung der Samenqualität nicht möglich ist (keine Diagnose=keine Therapie). Andererseits gibt es eine ganze Reihe angeborener oder erworbener Erkrankungen, die mit einer verminderten männlichen Fruchtbarkeit einhergehen. Auf die Diagnostik männlicher Fruchtbarkeitsstörungen wird gesondert eingegangen. Die Behandlungsmöglichkeiten wird hier nur kurz eingegangen.

Angeborene Störungen der Spermienproduktion

Die häufigste angeborene Ursache ist der sogenannte Hodenhochstand. Die Hoden werden in der Entwicklung des männlichen Embryos im Bauchraum gebildet und wandern bis zur Geburt durch den Leistenkanal in den Hodensack. Manchmal kommt es erst im frühen Säuglingsalter zum endgültigen Eintritt. Gelegentlich ist dieser Ablauf gestört und die Hoden bleiben im Leistenkanal oder gar im Bauchraum "stecken". Das führt fast regelmäßig zu einer Störung der Spermienproduktion, denn zum ungehinderten Ablauf der Hodenfunktion ist eine Temperatur nötig (idealerweise ca. 32°C), die sich unterhalb der inneren Körpertemperatur befindet und nur im Hodensack erreicht wird. Heute sind solche Fälle selten, da bei den üblichen Kindervorsorgeuntersuchungen auch auf die Lage der Hoden geachtet wird und evtl. eine Hormonbehandlung oder eine Operation durchgeführt wird. Eine ähnliche Problematik kann durch eine Krampfader am Hoden hervorgerufen werden. Man nimmt an, dass diese verdickte Ader die Temperatur des Hodens ebenfalls erhöht und die Spermienproduktion negativ beeinflussen kann. Zur Beseitigung einer solchen Krampfader gibt es verschiedene operative Techniken. Manche Urologen spritzen ein Medikament in die Ader, welches zu einem Verschluss führen soll. Es sei hier bemerkt, dass all diese Methoden umstritten sind, da viele Urologen überzeugend behaupten, dass eine Verbesserung der Spermienqualität dadurch nicht zu erzielen ist. Genetische Ursachen für eine männliche Unfruchtbarkeit sind zwar selten, sollten aber bei ausgeprägten Einschränkungen der Spermienqualität unbedingt untersucht werden. Als Beispiel sei hier das Klinefelter-Syndrom genannt. Diese Männer haben ein X-Chromosom zuviel. Normalerweise hat jeder Mann ein 46 Chromosomen inklusive eines X-Chromosoms und ein Y-Chromosoms. Männer mit Klinefelter-Syndrom haben 47 Chromosomen (47, XXY). Dies führt zu einer verminderten Ausschüttung männlicher Hormone und zu einer verminderten Qualität der Samenfäden, oft sogar zu einem kompletten Ausfall der Spermienproduktion. Abgesehen von diesen Veränderungen der Zahl der Chromosomen gibt es zahlreiche Veränderungen der einzelnen Chromosomen. In großen Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei ca. 10% der Männer mit Spermienzahlen unter 10 Millionen/ml genetische Auffälligkeiten bestehen. Keine bekannte Ursache hat das ebenfalls angeborene "Sertoli-Cell-Only-Syndrom". Wie der Name schon sagt, befindet sich dabei im Hoden nur noch Sertoli-Zellen. Diese bilden das Stützgewebe des Hodens und sind an der Spermienproduktion nur hormonell beteiligt. Die Zellen, die in den Hodenkanälchen die Spermien bilden, fehlen bei dieser Erkrankung.

Erworbene Störungen der Spermienproduktion

Erworbene Störungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht angeboren, sondern durch äußere Einflüsse entstanden sind. Eine häufige Ursache ist eine Entzündung der Hoden bei einer Mumpserkrankung. Die Erkrankung muss dazu allerdings nach Beginn der Pubertät auftreten, vorher besteht keine Gefahr. Nach einer solchen Entzündung kann die Bildung von Samenfäden komplett zum Erliegen kommen. Auch Medikamente können eine Verschlechterung des Spermiogramm-Befundes bewirken. Im Vordergrund stehen dabei Chemotherapeutika, also Zellgifte, die zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen eingesetzt werden. Nach Beendigung der Therapie kann sich die Spermienproduktion komplett erholen und eine normale Fruchtbarkeit ist dann wieder gegeben. Selten dauert es sehr lange, bis eine Normalisierung eintritt, in 30% der Fälle bleibt diese ganz aus. Daher sollte vor einer Chemotherapie bei jungen Männern immer auch an ein Einfrieren der Spermien gedacht werden, auch wenn die Problematik des Kinderwunsches dann aktuell nicht unbedingt im Vordergrund steht. Erwiesen ist der schädigende Einfluss auf die Spermien durch exzessiven Alkohol- oder/und Nikotinmissbrauch. Bei geringeren Mengen dieser Schadstoffe gibt es keinen zwingenden Beweis für eine Verschlechterung der Spermienqualität durch diese Stoffe. Es ist dennoch zu empfehlen, bei unerfülltem Kinderwunsch den Nikotinkonsum ganz und den Alkoholkonsum stark einzuschränken. Inwieweit Umweltgifte die Abnahme der Spermienqualität in den Industrieländern beeinflussen, ist schwer abzuschätzen. Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel stehen unter dringendem Verdacht diesbezüglich schädigend zu wirken.

Störungen des Spermientransports

Bei den Spermientransportstörungen ist der regelrechte Austritt der Spermien vom "Spermienspeicher" im Nebenhoden nach draußen nicht möglich. Dies ist entweder durch einen Verschluss der Samenwege oder durch einen ungeordneten Ablauf der Ejakulation bedingt. Eine angeborene Störung des Spermientransports ist bedingt durch das völlige Fehlen des Samenleiters. Dies lässt sich oft bei Männern mit einer Mukoviszidose (eine Erkrankung, bei der alle sekretproduzierenden Organe eines Menschen nur noch zähes Sekret ausscheiden. Das führt insbesondere zu Lungenproblemen, da die Atemwege durch den zähen Schleim verlegt sind. Da die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig arbeitet, ist die Verdauung ebenfalls erheblich gestört) feststellen. Aber auch symptomlose Träger des Mukoviszidose-Gens können betroffen sein. Die Spermienproduktion läuft bei diesen Männern völlig normal ab. Wichtig ist bei betroffenen Paaren zunächst einmal eine ausführliche genetische Beratung, um das Risiko einer Mukoviszidose bei einem evtl. entstehenden Kind abschätzen zu können. Entzündungen können ebenfalls zu einem Verschluss der Samenwege führen. Wenn bestimmte Keime -es handelt sich hierbei häufig um Chlamydien- eine Entzündung im Bereich des Nebenhodens auslösen (hier sind die Samenwege besonders dünn), dann kann es zu einem Verschluss kommen. Wenn dies einseitig passiert, dann kann die Zahl der Spermien im Ejakulat noch ausreichend sein. Gelegentlich sind jedoch auch beide Nebenhoden betroffen und das führt dann zu einem völligen Fehlen von Spermien im Ejakulat. Die Möglichkeiten zur Behandlung sind die gleichen, wie bei einem sterilisierten Mann (siehe dort).

Bei intakten Samenwegen kann es auch zu einem fast völligen Fehlen von Spermien im Ejakulat kommen. Bei bestimmten Krankheitsbildern kommt es überhaupt nicht zu einer Ejakulation (trotz Orgasmus). Eine Sonderform dieser Problematik stellt die sogenannte "Retrograde Ejakulation" dar. Die Spermien gelangen dabei nicht durch die Harnröhre nach außen, sondern werden in die Blase gespült. Dies geschieht auf von Schädigungen bestimmter Nerven, welche den muskulär bedingten Transport der Spermien nach draußen steuern. Dies kann durch Operationen (oft wegen bösartiger Geschwülste, Lymphome) bedingt sein, oder auch durch eine Zuckerkrankheit.

Spermienantikörper

Spermien können von der körpereigenen Abwehr als Fremdkörper erkannt werden. Üblicherweise passiert dies nicht, da im Hoden keine Verbindung des Ortes der Spermienproduktion mit dem Blut besteht. Selbst Antikörper sind nicht in der Lage, diese Barriere zu überwinden. Wenn Spermien jedoch mit dem Blut und den darin enthaltenen Abwehrfunktionen in Kontakt treten, dann kann es zur Ausbildung von Antikörpern kommen. Diese sind speziell gegen die Spermien gerichtet und können sich an diesen festsetzen. Die so "befallenen" Samenfäden neigen zu Verklumpung und kleben aneinander fest. Trotz ausreichender Spermienzahl und -beweglichkeit erreichen die Spermien nicht in ausreichender Zahl das Ziel. Spermienantikörper können auch im Blut und im Gebärmutterhalssekret der Frau vorhanden sein und führen ebenfalls zu einer Behinderung der Spermienfunktion.

Funktionsstörung der Samenfäden durch Entzündungen

Entzündungen können zu einem Verschluss der Samenwege führen. Darüber hinaus sind viele Keime in der Lage, in die Samenwege vorzudringen. Dort lösen sie Entzündungen aus, welche die Funktion der Spermien beeinträchtigen kann. Die Giftstoffe, welche durch die Erreger und aber auch durch die mit ihnen "beschäftigten" weißen Blutkörperchen gebildet werden können die Spermien schädigen und insbesondere die Beweglichkeit einschränken.

Erektionsprobleme ("Impotenz")

Die Unfähigkeit, aufgrund einer mangelnden Erektion Geschlechtsverkehr auszuüben, nennt man Impotentia coeundi. Dabei ist die Erektion entweder nicht zu erreichen, oder sie hält nicht lange genug vor. Erektionsprobleme sind häufiger, als man(n) vielleicht denken mag. Verschiedene Studien ergaben eine Zahl von 3 bis 6 Millionen Männern in Deutschland, die dieses Problem haben. Üblicherweise verfällt man bei der Ursachensuche leicht auf die einfache Diagnose: "Psychische Probleme". Es ist jedoch bekannt, dass mindestens 50% der betroffenen Männer körperliche Gründe für ihre mangelnde Erektion haben. Die Problematik der Impotenz führt über kurz oder lang selbstverständlich auch zu psychischen Belastungen, welche dann jedoch nicht ursächlich sind. Körperliche Ursachen sind oft Allgemeinerkrankungen, die Nerven und Gefäße negativ verändern. Dies gilt insbesondere für die Zuckererkrankung, welche zu Nervenschädigungen führen kann und zu einer Schädigung der Blutgefäße. Weitere Krankheiten, die hauptsächlich Gefäßschäden mit sich bringen, sind Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Krankheiten, die das Nervensystem und damit die Steuerung der Erektion negativ beeinflussen können, sind die multiple Sklerose (MS) und der Morbus Parkinson ("Schüttellähmung"). Wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind und psychische Ursachen naheliegen, dann ist häufig eine spezielle Sexualtherapie erforderlich. Denn ohne Therapie befindet sich das betroffene Paar in einem dauerhaften Teufelskreis: Die Unfähigkeit zu Erektion führt beim Mann bei jedem erneuten Versuch zu Leistungsdruck und Versagensängsten und bei der Frau zur Enttäuschung oder auch zu einem Gefühl der Versagens, da die Wirkung  ihrer sexuellen Reize ganz offensichtlich nicht ausreichend zu sein scheinen. Hier gibt es speziell geschulte Paar- und Sexualtherapeuten.

Dr. Elmar Breitbach
http://www.wunschkinder.de

Seitenanfang