Ohne jeden ersichtlichen Grund gerät bei vielen Frauen in den Wechseljahren das seelische Gleichgewicht aus den Fugen. Was gestern noch alltäglich war, erscheint heute plötzlich als ein riesiges Problem. Was gestern noch ein Grund zur Freude war, ist heute bedeutungslos. Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit, verminderte Lebenslust, das Gefühl von Leere und Nutzlosigkeit, das Gefühl, nun alt und unattraktiv zu sein - all dies zählt zu den typischen seelischen Empfindungen, mit denen sich viele Frauen auseinandersetzen müssen. Sie geraten ins Grübeln, fühlen sich nutzlos, stellen ihr bisheriges Leben in Frage, sehen die Welt nur noch grau in grau, sind lust- und antriebslos...
Als Folge der hormonellen Umstellung treten in den Wechseljahren nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch seelische Probleme auf. Sie sind als ganz normale Begleiterscheinungen zu werten, die von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt sind und auch nicht täglich, sondern meist nur sporadisch auftreten.
Eine wesentliche Rolle können hierbei auch die äußeren Bedingungen, das berufliche und familiäre Umfeld spielen. Je zufriedener die Frau im Beruf ist und je mehr Anerkennung und Wertschätzung sie von ihren Kollegen, ihrer Familie und ihren Freunden erfährt, um so geringer ist auch die Gefahr, dass ihre seelischen Probleme zu einer ernsthaften und dauerhaften Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen.
Flüchten ist genau das Falsche
In der Lebensphase der Neuorientierung steht jede Frau vor der Aufgabe, neue Ziele für sich selbst zu definieren, um neue Wege zur inneren Harmonie, Ausgeglichenheit und Selbstsicherheit zu finden. Aufgrund ihrer Stimmungsschwankungen und ihrer seelischen Unausgeglichenheit fällt es vielen Frauen jedoch oft schwer, sich aktiv dieser Herausforderung zu stellen. Die Versuchung, sich in Selbstmitleid, Passivität, Aggressivität oder gar Resignation zu flüchten, ist groß.
Vielfach versuchen die Frauen auch, ihre seelischen Probleme durch übermäßiges Essen zu verdrängen. Jede Art der Flucht aber bringt sie keinen Schritt weiter. Sicherlich ist es nicht einfach, sich quasi "am eigenen Schopf" zu fassen und aktiv einen Ausweg aus einer seelischen Krise zu finden. Der Versuch aber lohnt sich.
Immer dann, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr seelisches Gleichgewicht ins Wanken gerät, sollten Sie sich Ihre eigene Situation einmal ganz bewusst vor Augen führen: Welchen konkreten Anlass gibt es dafür? Was fühle ich? Empfinde ich immer so in solchen Situationen, oder bewerte ich die Dinge in anderen Momenten weniger schwer?
Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie erleben, dass es Ihnen gelingen kann, die Dinge realistisch zu sehen und eventuelle Gefühle von Selbstmitleid, Aggressivität oder Unverständnis in Frage zu stellen - eine wichtige Voraussetzung, um sie überwinden zu können.
Werden Sie aktiv!
Wer es einmal mit Erfolg versucht hat, macht die Erfahrung, daß es erheblich besser ist, in solchen Situationen ganz bewusst aktiv zu werden: Zerstreuung suchen und sich selbst etwas Gutes tun, statt zu resignieren und mit sich selbst zu hadern... Alle Dinge, die Ihnen früher Freude gemacht haben, werden Ihnen auch in Zukunft helfen, Ihre trüben Gedanken zu vergessen.
- Suchen Sie das offene Gespräch mit dem Partner, mit Freunden oder Kollegen.
- Versuchen Sie, sich abzulenken. Ob Sie spazieren gehen, ein Buch lesen, einen unterhaltsamen Film ansehen oder Ihren
- Hobbies nachgehen - wichtig ist, dass es Ihnen gelingt, die trüben Gedanken zu vertreiben.
- Geben Sie Trott und Bequemlichkeit gar nicht erst eine Chance. Versuchen Sie statt dessen, Ihren bisherigen Elan in Beruf und Familie zu erhalten und öffnen Sie sich auch für
- neue Aktivitäten.
- Gönnen Sie sich auch mal Ruhe, Muße und Entspannung, indem Sie vielleicht ein ganzes
- Wochenende lang faulenzen und
- Ihre Seele baumeln lassen.
Alle diese Aktivitäten werden Ihnen die Wege zu einem neuen, positiven Lebensgefühl aufzeigen. Sollten Sie weder allein noch mit Hilfe Ihrer Mitmenschen mit Ihren seelischen Problemen fertig werden, so zögern Sie nicht, sich an Ihren Arzt zu wenden.