Kinderwunsch – allgemeine Informationen


blumen011Der unerfüllte Kinderwunsch, auch als Sterilität bezeichnet, ist ein Problem, welches in den Industriestaaten zunehmend häufiger auftritt. In Deutschland kommt es bei mehr als 10% aller Paare mit Kinderwunsch innerhalb eines Jahres zu keiner Schwangerschaft. Statistische Untersuchungen belegen, dass diese Zahlen weiter ansteigen. Dies ist auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen. Durch die verbesserten Möglichkeiten zur Verhütung stieg das durchschnittliche Alter, in dem Frauen heutzutage ihre erste Schwangerschaft anstreben, deutlich an, ein Trend, der sich fortzusetzen scheint. Da mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, problemlos schwanger zu werden, sinkt, wirkt sich dies ungünstig auf die Zahl der sterilen Paare aus. Außerdem wurde festgestellt, daß die Samenqualität der Männer in den Industriestaaten im Laufe der Jahre abgenommen hat.

Neben diesen beiden wohl wichtigsten Gründen für einen zunehmenden Bedarf an Kinderwunschbehandlungen gibt es andere Ursachen, die auf die erhöhte Belastung des Menschen durch verschiedene Umweltgifte zurückzuführen ist. Diese Ursachen sind jedoch schwer fassbar und nur in den seltensten Fällen behandelbar. Während man vor einigen Jahrzehnten noch der Meinung war, dass Kinderlosigkeit immer auf eine Unfruchtbarkeit der Frau zurückzuführen ist, hat sich diese Ansicht bis zum heutigen Tage grundlegend gewandelt. Insgesamt ist der unerfüllte Kinderwunsch jeweils in ca. 40 % in Störungen bei der Frau oder bei dem Mann begründet. In ca. 10 % der Fälle sind beide Partner von einer Störung betroffen und in weiteren 10 % ist trotz intensiver Untersuchungen nicht zu klären, weshalb es nicht zu einer Schwangerschaft kommt.

In großen Untersuchungen bei vielen Paaren mit Kinderwunsch konnte man herausfinden, dass ca. 60 % dieser Paare in den ersten 4 Monaten des "Probierens" zu einer Schwangerschaft kamen. Annähernd 80 % aller Paare konnten sich ihren Wunsch nach einer Schwangerschaft vor Ablauf eines Jahres erfüllen. Daraus ergibt sich eine Definition der Sterilität. Wenn in einer Partnerschaft mit einer normalen sexuellen Beziehung innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft auftritt, dann erst handelt es sich um eine Sterilität. Man muss wissen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft selbst unter optimalen Bedingungen nur bei ca. 30 % pro Zyklus beträgt.

Normaler Ablauf des weiblichen Zyklus

Jeden Monat (zwischen zwei Monatsblutungen) reift an einem der beiden Eierstöcke eine Eizelle in einem Eibläschen (Follikel) heran. Schon im Vorzyklus entwickeln sich bereits mehrere dieser Follikel. Im Ultraschall lassen sich diese jedoch erst deutlich nach der Regelblutung erkennen. Meist gelangt nur einer dieser Follikel zur vollen Reife und die anderen verkümmern. Voll ausgereift ist das Eibläschen 2 cm groß, gefüllt mit Flüssigkeit, in der sich die Eizelle befindet. Diese maximale Größe wird zur Zyklusmitte hin erreicht, welche meist dem 14. Tag nach Blutungsbeginn entspricht. Der Follikel öffnet sich und entläßt die Eizelle mit der Flüssigkeit in den Bauchraum. Der Eileiter hat sich zu diesem Zeitpunkt dem Eibläschen schon angenähert und nimmt die Eizelle auf. Durch die Muskeln des Eileiters (Tube) und durch feine Härchen an seiner Innenwand des Eileiters wird die Eizelle in Richtung Gebärmutter transportiert. Noch in dem weiten Teil (Ampulle) des Eileiters kommt es zur Befruchtung durch die Samenfäden, wobei im Normalfall nur ein Spermium in die Eizelle eindringt. Die nunmehr befruchtete Eizelle ist noch 4-6 Tage im Eileiter unterwegs, bevor sie die Gebärmutter erreicht und sich dort einnistet. Während dieser Zeit finden die ersten Zellteilungen statt. Aus dem Follikel, der nach dem Eisprung zurückbleibt, entwickelt sich der sogenannte Gelbkörper, auf dessen Funktion weiter unten eingegangen wird Ob eine Schwangerschaft eingetreten ist oder nicht, kann man frühestens kurz vor dem Zeitpunkt der erwarteten Regelblutung nachweisen. Wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist, dann kommt es zu einer Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), also zur Monatsblutung.

Hormonelle Steuerung

Es gibt drei Orte, an denen die Hormone produziert werden, die den weiblichen Zyklus steuern: Die Eierstöcke, die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und das Sexualzentrum im Gehirn (Hypothalamus). Der Hypotalalamus ist das übergeordnete Zentrum, welches die anderen Organe steuert. Von ihm wird in regelmäßigen Pulsen das sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon (GNRH) ausgeschüttet. Über die Abstände der Hormonfreisetzung (Pulsfrequenz) und ihre Stärke (Pulsamplitude) wird der Hormonhaushalt der darunterliegenden Hirnanhangsdrüse gesteuert. Die Hirnanhangsdrüse produziert eine Vielzahl von Hormonen, die andere Organe (Nebennieren, Schilddrüse) in ihrer Funktion beeinflussen. Für den weiblichen Zyklus sind jedoch zwei dieser Hormone von wesentlicher Bedeutung: Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) und das eisprungauslösende Hormon (LH= luteinisierendes Hormon). Das FSH stimuliert, wie der Name schon sagt, das Wachstum des Eibläschens am Eierstock und die Ausreifung der Eizelle. Mit zunehmender Größe werden von dem Follikel als drittem Ort der Hormonproduktion Östrogene gebildet, die ihren höchsten Spiegel im Blut zur Zyklusmitte hin erreichen, also zu dem Zeitpunkt, an dem das Eibläschen seine maximale Größe erreicht hat. Der hohe Östrogenspiegel wird von der Hirnanhangsdrüse bemerkt ("Feedback") und es wird ein steiler Anstieg des LH zur Auslösung des Eisprungs bewirkt.

Nach dem Eisprung kommt es zur Umbildung des gesprungenen Eibläschens. Es bildet jetzt in der zweiten Zyklushälfte das sogenannte Gelbkörperhorrnon (Progesteron). Östrogen und Progesteron sind die Hormone, welche für die zyklusgerechte Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich sind. Mit steigenden Östrogenkonzentrationen gewinnt die Schleimhaut der Gebärmutter an Höhe. Nach dem Eisprung wird das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) unter dem Einfluß des Gelbkörperhormons auf die Einnistung eines Embryos vorbereitet. Der Embryo ist zu diesem Zeitpunkt ja noch im Eileiter unterwegs. Wenn der Embryo sich einnistet, dann bildet er das Schwangerschaftshormon (hCG), welches wiederum den Gelbkörper stimuliert. Der eingenistete Embryo ist durch die Bildung des hCG in der Lage, den Gelbkörper und damit die Gebärmutterschleimhaut zu erhalten. Er schafft sich somit auf hormonellem Wege seine optimale Umgebung. Wenn es nicht zu einer Einnistung kommt, dann bildet sich der Gelbkörper zurück und die Produktion des Hormons fällt steil ab. Dadurch wird der Gebärmutterschleimhaut ihre hormonelle Unterstützung entzogen und es kommt zu einer Blutung.

Spermienproduktion und -funktion


Die Entwicklung der Spermien im Hoden ist ebenfalls von einer geregelten Hormonproduktion des Mannes abhängig. Wesentlichen Einfluss besitzen die Hormone der Hirnanhangsdrüse. Wie bei der Frau sind dies das LH und das FSH. Das FSH bewirkt die Reifung der Spermien in den Hodenkanälchen und das LH die Bildung von Testosteron im Gewebe zwischen den Orten der Spermienproduktion (Leydig-Zellen). Die Entwicklung eines Samenfadens bis zur endgültigen Ausreifung und dem Verlassen des Hodens beträgt 3 Monate. Wie später noch erwähnt werden wird, ist die Verbesserung eines Spermiogramms durch medikamentöse oder andere Maßnahmen erst nach Ablauf dieses Zeitraums zu erwarten. Bei einem gesunden Mann werden bis zu 100 Millionen Spermien pro Tag produziert.

Nach Ausreifung der Spermien treten die nunmehr funktionsfähigen Spermien in den Nebenhoden ein, wo sie bis zum nächsten Samenerguß verweilen. Bei dieser sogenannten Ejakulation wird aus den Samenbläschen und der Prostata Sekret ausgestoßen, welches sich mit den Spermien vermengt und dem Ejakulat (Ejakulat=Spermien plus Prostata- und Samenbläschensekret) die typische Farbe und den charakteristischen Geruch verleiht.

Beim Geschlechtsverkehr wird das Ejakulat im hinteren Scheidengewölbe, direkt vor den Gebärmutterhals deponiert. Im weiteren Verlauf steigen die Spermien auf und passieren den Gebärmutterhals, die Gebärmutterhöhle und gelangen schließlich in die Eileiter. Der Gebärmutterhalskanal übernimmt dabei zwei wichtige Funktionen. Zum einen werden die Spermien von den Sekreten der Prostata und der Samenbläschen befreit und zum anderen dient die vielfach gefältelte Schleimhaut als "Vorratslager" für die Samenfäden, die dann im Verlauf von bis zu 3 Tagen freigesetzt werden.

Der Weg durch Gebärmutterhals und -höhle wird von den Samenfäden nicht, wie häufig fälschlicherweise angenommen, durch Eigenbewegung zurückgelegt. Vielmehr weist die Gebärmutter eine Eigenbewegung auf, welche die Spermien bis an den Ort der Befruchtung transportiert. Von oftmals mehr als 100 Millionen Samenfäden gelangen letztlich meist weniger als 1000 an den Befruchtungsort im weiten Teil des Eileiters . Die Befruchtung der Eizelle setzt jedoch eine gute Beweglichkeit des Spermiums voraus, unter Auflösung eines Teils der Eizellmembran wird es in die Eizelle aufgenommen und gibt dort seine Erbgut ab. Nicht immer kommt es dadurch zu einer Befruchtung der Eizelle, das heißt nicht immer entsteht ein teilungsfähiger Embryo, der sich schließlich einnisten kann.